Frauen in der Literatur - Meine Gedanken zum Internationalen Frauentag

12:00



Heute ist der Internationale Frauentag und während das für viele sicherlich ein Grund zum Feiern ist, macht mich dieser Tag doch immer eher nachdenklich. Denn während die Situation für Frauen in der westlichen Welt überwiegend sehr gut aussieht (klar, auch hier haben wir diskussionswürdige Probleme), gibt es doch genug Länder auf der Welt, in denen Frauen systematisch unterdrückt werden, keinerlei Rechte, keinen Wert und keine Stimme haben. Natürlich, die Diskussionen, die wir hier zum Thema Feminismus und Gleichberechtigung führen, sind überaus wichtig. Doch ich habe oft das Gefühl, dass sie gerade da, wo diese Debatten wirklich wichtig wären, eben nicht geführt werden und der Internationale Frauentag dort keinerlei Bedeutung hat. Daher mein Wehmut.

Für mich ist der heutige Tag aber Anlass, mich etwas tiefer mit dem Thema "Frauen in der Literatur" zu beschäftigen. Dazu habe ich mir angeschaut, wie es sich mit dem Verhältnis von Männern und Frauen in der Buchbranche verhält und natürlich habe ich auch einige Buchtipps für euch zusammengestellt, die das Geschlechterverhältnis zum Thema haben.


Verhältnis weiblicher und männlicher Autoren


Bereits im Jahr 2014 erschien in der Welt ein Artikel zum Thema "Auch in der Literatur ist ein #aufschrei fällig". Darin ging es um das Missverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Autoren und das Ungleichgewicht bei der Nominierung für die großen Buchpreise. 2017 etwa standen auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 14 Bücher männlicher Autoren von insgesamt 20 nominierten Büchern. Im Jahr 2016 ebenso. Bildet diese Quote das natürliche Verhältnis ab, da eben mehr Männer Bücher veröffentlichen als Frauen? So richtig kann ich mir das nicht vorstellen und die Autorin des Artikels geht noch weiter, indem sie die Theorie aufstellt, dass Romanen aus der Feder einer Frau scheinbar generell der Qualitätsanspruch weniger zugetraut wird als bei Männern. Von "Frauenliteratur" habt ihr bestimmt alle schon gehört, oder? Aber gibt es das Pendant dazu auch für Männer? Nicht so weit ich weiß.

Bücher, die mehr oder minder explizit an ein rein weibliches Publikum gerichtet sind ("Frauenliteratur", "Chicklit"), werden als anspruchslos gesehen, oft geht es thematisch um Liebe, Familie, Lebensglück - also eher um emotionale Themen. Natürlich bestimmt immer auch die Nachfrage das Angebot und solche Bücher gäbe es nicht, wenn es niemand lesen will; auch ich selbst greife immer mal wieder gerne zu dieser Art von Büchern, weil sie mich in eine bestimmte Stimmung versetzen. Problematisch wird es nur, wenn dadurch bei den Entscheidern in den Verlagen der Gedanke entsteht, dass das alles ist, was Frauen eben lesen wollen oder Autorinnen schreiben können. 

Ist etwa auch in den Chef-Etagen der Verlage oder bei den Nominierungen für Buchpreise eine Frauenquote nötig, um eine gleichverteilte Repräsentation in der Literatur zu gewährleisten? Oder regelt das die Nachfrage von selbst?


Buchtipps zum Geschlechterverhältnis, die zu denken geben


Das Schöne an der fiktionalen Literatur ist ja, dass man hier Gedankenspiele ausleben und Szenarien testen kann, die im wahren Leben nicht möglich wären. Von daher habe ich ein paar Buchtipps für euch gesammelt, in denen das aktuelle herrschende Geschlechterbild drastisch auf den Kopf gestellt wird:





Der Report der Magd - Margaret Atwood - Nein, hier sind die Frauen nicht an der Macht, ganz im Gegenteil. Atwoods wohl eindrücklichster Roman zeigt, was mit Frauen passiert, wenn christliche Fundamentalisten die Macht über ein so aufgeklärtes Land wie die USA an sich reißen. Erst ist es ein schleichender Prozess: Frauen können ohne das Einverständnis ihrer Männer kein Konto mehr eröffnen oder keiner Arbeit mehr nachgehen, Kinder darf man nur noch haben, wenn man verheiratet ist. Und das war erst der Anfang. Die systematische Entmachtung hat mich selbst sehr erschüttert, denn so weit hergeholt ist das Ganze gar nicht. Immerhin durften die Frauen in Deutschland auch in den 1950er Jahren noch nicht ohne Einverständnis ihres Ehemannes arbeiten gehen.

Die geschützten Männer - Robert Merle - Durch eine Seuche sterben plötzlich fast alle Männer im zeugungsfähigen Alter, was Männer zu einer Rarität macht. Eine von Frauen dominierte Welt bildet sich, in der Männer nicht mehr viel zu sagen haben und stattdessen geschützt werden müssen.

Die Gabe - Naomi Alderman - Das Buch schlägt in die gleiche Kerbe, denn auch hier wird aufgezeigt, was passieren könnte, wenn sich das Machtverhältnis plötzlich umdreht und die Frauen zum "starken" Geschlecht werden. Ich lese das Buch gerade und wer denkt, dass eine von Frauen regierte Welt auch eine bessere Welt ist, wird hier eines Besseren belehrt.

Die linke Hand der Dunkelheit - Ursula K. Le Guin - Die kürzlich verstorbene Autorin gilt als weibliche Vorreiterin in der Science Fiction und hat hier einen Roman geschrieben, in dem es um eine menschenähnliche Spezies geht, die keine zwei Geschlechter kennt. Ungleiche Machtverhältnisse aufgrund eines Geschlechts gibt es hier nicht. Doch nur weil es keinen Unterschied zwischen männlich und weiblich gibt, heißt das natürlich nicht, dass es sich um eine ideale Gesellschaft handelt...


Das waren also meine Tipps für euch. Und welche Romane, die das Geschlechterverhältnis thematisieren, könnt ihr mir empfehlen?

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9 Kommentare

  1. Huhu liebe Friederike,

    vielen Dank für Deinen wundervollen Post zum Weltfrauentag!

    Deine Buchtipps habe ich mir gleich mal notiert und Deine Analyse finde ich ebenfalls super.

    Nicht direkt zu Deiner Frage, aber kennst Du schon "Good Night Stories for Rebel Girls"? :)

    Ein tolles Buch über starke Frauen! <3

    Viele liebe Grüsse aus Nantes,
    Hannah
    www.wonderworld-of-books-from-hannah.blogspot.fr

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    1. Hi Hannah, das Buch kenne ich tatsächlich, hast du mal das Video gesehen, wie die Autorinnen überhaupt darauf gekommen sind, dieses Buch zu schreiben? Das fand ich sehr augenöffnend, dass sooo wenige Mädchen die Hauptrolle in Büchern spielen.
      Das Buch werde ich meinen Töchtern definitiv vorlesen, wenn sie etwas älter sind.

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  2. Liebe Friederike

    Dein Post hat Gedanken aufgefasst, die ich mir auch oft mache. Nicht nur zum heutigen Tag. Und doch dürfen wir, nur weil es hier vielleicht schon ein paar Probleme weniger gibt, uns nicht zufrieden geben, bis Menschen nicht mehr objektisiert und aufgrund ihres Geschlechts unterdrückt/diskriminiert/beurteilt werden.
    Ein paar Gedanken dazu sind ebenfalls auch zu meinem Blog online gegangen. Über einen Besuch würde ich mich natürlich freuen ;-)

    Toll auch, dass du hier ein paar Bücher mit vertauschten/inexistenten oder einfach anders gewichteten Geschlechterrollen zeigst. Ich werde mir die Bücher definitiv näher ansehen. Danke dir.

    Alles Liebe und auf bald
    Livia

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    1. Hi Livia,
      ich stimme dir zu, auch wenn schon viel erreicht wurde, darf man sich mit dem Status Quo nicht zufrieden geben. Ich werde auch gleich mal bei dir vorbeischauen und gucken, was du zu dem Thema zu sagen hast :-)

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  3. Hey!
    Vielen Dank für diesen tollen Artikel und die Buchtipps!
    Ich schaue sie mir direkt mal bei Amazon an und speichere sie mir auf der Liste ab.
    Alle vier klingen gleichermaßen spannend, ich bin super neugierig.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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    1. Hi Nicci, ich habe schon gesehen, dass du dir alle bestellt hast, das freut mich sehr :-) Lass mich dann gerne wissen, wie dir die Bücher gefallen haben, ja?

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  4. Liebe Friederike,

    danke dir, für die vier tollen Tipps!
    "Die Gabe" ist mir jetzt schon so oft begegnet, die packe ich jetzt mal auf die Wunschliste. :)

    Liebe Grüße
    Ramona

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  5. Huhu!

    2017 ist mir dieses Missverhältnis beim Deutschen Buchpreis auch bitter aufgestoßen.

    Genauso fragwürdig finde ich die Genre-Bezeichnung "Frauenroman". Ich bin eine Frau und kann mit vielen der so klassifizierten Bücher nichts anfangen, mir kommt die Bezeichnung eher als Herabwürdigung vor. Wie du schon sagst: Frauenroman = seichte Literatur ohne Anspruch.

    "Der Report der Magd" ist für mich auch ein sehr wichtiges Buch; "Die Gabe" (bzw. das englische Original) wartet noch auf meinem Stapel ungelesener Bücher darauf, gelesen zu werden.

    Spontan fiel mir als erste Empfehlung kein Roman ein, sondern das Graphic Novel "Persephone" ein. Eine Geschichte über eine Kindheit zur Zeit der islamischen Revolution thematisiert ja zwangsläufig auch die Rolle der Frau, und das wird hier sehr authentisch und originell umgesetzt. Genauso denke ich direkt an die Biographie von Malala Yousafzai.

    Ein toller Artikel! :-)

    LG,
    Mikka
    Mikka liest das Leben

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