Ivory & Bone: Die Geschichte von Mya und Kol - Steinzeitliches "Stolz und Vorurteil", welches mich nicht überzeugen konnte

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Gebundene Ausgabe | 368 Seiten | Sauerländer Verlag | Übersetzung: Rainer Schmidt | Hier kaufen

Als eine Gruppe Fremder Kols Stamm aufsucht, verliebt sich der junge Jäger Hals über Kopf in die mysteriöse Mya. Seinen Eltern, die eine Verbindung zu Myas Clan im Süden anstreben, kommt das wie gerufen. Doch Mya scheint kein Interesse an Kol zu haben und behandelt ihn abweisend. Als es bei einer gemeinsamen Jagd fast zu einem fatalen Unfall kommt, scheint sich Myas Abneigung nur noch zu vertiefen. Da erfährt Kol von einem Geheimnis: vor 5 Jahren war Myas Stamm schon einmal zu Besuch, und damals kam es fast zum Krieg. Was ist damals bloß geschehen?

Wenn ein Buch beworben wird als "Stolz und Vorurteil" in der Steinzeit, dann MUSS man doch einfach neugierig werden, oder? Immerhin ist ersteres eine der zeitlosesten und bekanntesten Liebesgeschichten aller Zeiten, und dann musste ich auch gleich an die faszinierenden Steinzeit-Geschichten von Jean M. Auel denken, die mir diese längst vergangene Epoche der Menschheitsgeschichte näherbringen konnten als jeder Biologieunterricht. Leider konnte das Buch  von Julie Eshbaugh meinen hohen Erwartungen nicht standhalten.

Dabei begann es noch vielversprechend, zwar ziemlich ruhig, aber doch faszinierend. Kol ist ein begabter Honigsammler und liegt gerade nach Bienen lauschend inmitten der Wiese, als sein Bruder Pek ihn über die Ankunft von zwei Mädchen informiert. Eine Besonderheit, denn in Kols Stamm gibt es keine Mädchen in seinem Alter, und seinen Eltern liegt viel daran, dass Kol bald heiratet. Immerhin soll er eines Tages die Stammesführung übernehmen. Tatsächlich fühlt er sich vom ersten Augenblick an zu Mya hingezogen. Doch die hat gute Gründe, ihn auf Abstand zu halten... 

Das Setting war es, welches mich an dem Buch am meisten gereizt hat. Leider erschien mir dieses teilweise nur wenig glaubhaft, obwohl man der Autorin doch angemerkt hat, dass sie eigentlich viel Liebe ins Detail gesteckt hat. Trotzdem hatte ich immer mal wieder den Eindruck, dass das Setting vollkommen austauschbar ist und die Geschichte auch zu jeder anderen Zeit hätte spielen können. Das lag an so kleinen Details wie zum Beispiel, dass ein Mädchen einem älteren Stammesmitglied mit "Ja, Sir" antwortet und ich kann beim besten Willen einfach nicht glauben, dass in der Steinzeit die Ausdrücke "Sir" oder "Mam" benutzt wurden. Sowas sind natürlich nur Kleinigkeiten; mich haben sie aber trotzdem aus dem Setting gerissen. 

Dazu kam, dass mir die Handlung über große Strecken zu langatmig war und mich nur wenig an die Seiten fesseln konnte. Langgezogene Beschreibungen von Jagden, Kanufahrten über die Seen oder Wanderungen von einem Clan zum anderen haben mich mehr gelangweilt als unterhalten. Was ich dagegen gelungen fand, war, dass sich die Autorin Zeit damit lässt, uns Kols Stamm und die gesellschaftlichen Strukturen näherzubringen. So lernen wir die religiösen Überzeugungen der unterschiedlichen Stämme kennen, auf welchen Mythen sie sich gründen und warum sie welche Tiere jagen oder verehren.    

Und was genauso sehr ins Gewicht fiel: Mya war mir schlicht und ergreifend unsympathisch und es gelang der Autorin auch bis zum Schluss nicht, mich von ihrem Charakter zu überzeugen. In dieser Steinzeit-Version von Stolz und Vorurteil entspricht Mya dem mürrischen Mister Darcy, aber während ich bei Jane Austen fasziniert mitverfolgt habe, wie er und Elizabeth zusammenfinden, wollte ich Kol am liebsten mit einer anderen verkuppeln. Tja, aber wo die Liebe eben hinfällt... Dabei ist Mya eigentlich ein wirklich spannender Charakter, besonders für die damalige Zeit: eine begabte Jägerin, unabhängig, stark, stolz. Nur eben auch arrogant und dadurch unsympatisch, zumindest für mich :-P

Mein Fazit: Zwar hat "Ivory & Bone: Die Geschichte von Mya und Kol" einige faszinierende Aspekte, konnte mich aber nicht wirklich überzeugen. Langatmige Szenen und Charaktere, die ich schlicht nicht mochte, konnten vom gut gelungenen Teil einfach nicht aufgewogen werden. Schade.

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2 Kommentare

  1. Guten Abend :)

    mit „Stolz und Vorurteil“ bekommt man mich für gewöhnlich auch immer, allerdings habe ich schon von anderen gehört, das hier die Protagonisten etwas schwierig sein sollen. Schade das sich die Meinung fortsetzt. Das Buch werde ich wohl eher nicht lesen.
    Liebe Grüße Cindy

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  2. Huhu :)

    Ich habe wirklich lange mit mir gerungen, aber letzten Endes ist das Buch jetzt doch noch bei mir eingezogen. Das Setting finde ich einfach faszinierend, deshalb wollte ich der Geschichte doch noch eine Chance geben. Schade, bisher habe ich wirklich nur eher kritische Rezensionen zum Buch gelesen :/

    Liebe Grüße,
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Facebook)

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