23.10.2016


Broschierte Ausgabe | 304 Seiten | Verlag HarperCollins ya! | Übersetzung: Ivonne Senn | Hier kaufen


"Ich lief die Einfahrt hinunter und nach Hause. Am liebsten hätte ich mich umgedreht, wollte einen Blick über meine Schulter werfen, um zu sehen, ob Lee mir nachschaute, aber ich traute mich nicht. Denn wenn er es täte, würde ich zurücklaufen wollen, und wenn er es nicht täte, würde mein Herz ein wenig brechen." (S. 223)

Als Middie erfährt, dass ihr Freund Nate bei seinem Auslandsbesuch angegriffen und vermutlich getötet wurde, bricht ihre Welt zusammen. Sie wollten doch gemeinsam aufs College gehen, heiraten und Kinder kriegen! Und nun steht Middie plötzlich vor dem Nichts. Niemand versteht ihre Trauer wirklich. Niemand außer Lee, Nates bestem Freund, in dem sie einen unerwarteten Verbündeten findet. Doch als sich plötzlich mehr zwischen ihnen entwickelt, weiß Middie nicht, wie sie damit umgehen soll. Ist es okay, sich in den besten Freund ihres toten Freundes zu verlieben?

Kennt ihr das, wenn eure Mitmenschen gewisse Erwartungen an euch haben? Erwarten, dass ihr dies oder jenes tut, weil ihr euch eben immer schon so verhalten habt, und irritiert sind, wenn ihr euch plötzlich anders benehmt? So geht es der achtzehnjährigen Middie, die sich bisher eigentlich nur über Nate definiert hat. Klar geht sie auf das gleiche College wie er, damit sie weiter zusammenbleiben können. Klar macht sie bei derselben ehrenamtlichen Gruppe mit, Und natürlich werden sie in ein paar Jahren heiraten und Kinder kriegen. Doch als Nates Dorf bei einem ehrenamtlichen Einsatz im Ausland angegriffen wird, brechen all diese Pläne plötzlich zusammen. Zurück bleibt eine orientierungslose Middie, die nun erst einmal herausfinden muss, wie sie ohne Nate weiterleben soll. Und wer sie ohne ihn eigentlich ist. 

Ich fand Middie sympathisch und konnte gut mit ihr mitempfinden. Und auch Lee fand ich interessant. Als sie nach Nates Tod von allen mit Samthandschuhen angefasst wird, ist es eine erfrischende Abwechslung für Middie, dass Nates bester Freund sie immer noch genauso abweisend behandelt wie vorher. Lee ist das totale Gegenteil vom netten und stets hilfsbereiten Nate und fordert Middie, die er nur "Yoko" nennt, immer wieder heraus. Da auch er mit Nate einen der wichtigsten Menschen in seinem Leben verloren hat, schließen sie einen Pakt: gemeinsam wollen sie alles tun, was Lee eigentlich noch mit Nate zusammen erleben wollte. Und dabei kommen sie sich immer näher...

So entsetzlich der Verlust von Nate für Middie auch ist, immerhin sind sie seit 10 Jahren befreundet und seit 5 Jahren ein Paar, hat er ihr doch auch die Augen geöffnet. Sie merkt, wie sehr sie ihr Leben von den Entscheidungen anderer abhängig gemacht hat und findet nun Stück für Stück zu sich selbst. Dieser Prozess bildet die Haupthandlung von "Der Sommer, der uns trennte", auch wenn die sich entwickelnde Beziehung zu Lee natürlich maßgeblich dazu beiträgt. Damit hatte ich vom Klappentext her nicht unbedingt gerechnet, der ja eher "nur" eine konfliktbehaftete Liebesgeschichte andeutet. Aber so hatte das Buch überraschend viel Tiefgang und war doch ernster, als ich es erwartet habe. 

Insgesamt fand ich die Geschichte wirklich gelungen, es war ein gefühlvoller und packender Coming-of-Age-Roman, der mir sehr gefallen hat. Mit dem Tod ihres Freundes konfrontiert, entdeckt Middie erst so richtig den Wert des Lebens, wie aufregend es sein kann, eben keine Pläne zu haben und dass man sich auch einmal umentscheiden kann. Lesenswert! 



Ich bedanke mich herzlich bei  und dem HarperCollins Verlag für das Rezensionsexemplar!

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